Der Touristen-Effekt

Ich bin mir vor einigen Monaten über ein sehr interessantes Phänomen bewusst geworden.

Nach vielen intensiven Projekten konnte ich mir zum ersten Mal im Jahr eine Woche so richtig frei nehmen.

Hinter mir lagen 10 Stunden Tiefschlaf, ich wurde von einer strahlenden Sonne begrüßt, die Vorfreude auf den sicher bald einbrechenden Frühling machte.  Ich streckte mich, atmete tief durch und fühlte mich wie ein König. Vor mir lag eine 3-stündige Fahrt in eine fremde Stadt. Dort wollte ich einen Freund besuchen, ich freute mich schon so richtig!

In der Stadt angekommen fühlte ich mich wie ein kleines Kind das seine Umgebung entdecken will. Es gab so viele neue Eindrücke, so viel zu bestaunen. Schließlich setzten wir uns in ein Cafe´. Ich war sofort im Gespräch mit einem Herren am Nebentisch, den ich unbefangen fragte woher er die chinesische Schwerttasche habe und ob er Kung-Fu betreibe (was eines meiner Hobbies ist). Allgemein fühlte ich mich viel unbefangener als sonst und in allem was ich entdeckte lag ein leichtes Staunen.

Es mögen sicher viele Faktoren zusammengespielt haben, eines ist jedoch sicher:

Wären wir in Stuttgart oder einer anderen mir bekannten Stadt unterwegs gewesen, hätte ich mich ganz anders verhalten, eben so wie immer, im Alltag.

Aber dadurch, dass meine Umgebung so neu war, hatte ich ein Staunen entwickelt, dass sich auf meine ganze Kommunikation übertragen hat und da wir leider nur selten in diesem Zustand sind, habe ich mich damit sozusagen positiv von der Masse abgesetzt.

Was glaubt ihr warum so viele Liebesabenteuer im Urlaub zustande kommen? Es ist das, was ich den Touristen-Effekt nenne. Das wirkt natürlich attraktiv und zieht andere Menschen an, da ist jemand nicht im Alltagstrott, da genießt jemand, der hat irgendwas das andere nicht haben.

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Wäre es nicht schön sich öfter in so einem Zustand zu befinden? Auch, wenn wir eigentlich mitten im Alltag stecken?

Natürlich kann man nicht immer so drauf sein, das wäre utopisch und vermutlich auch nicht besonders gesund. Aber es kann nicht schaden sich das ein bisschen in den Alltag zu holen. Und der Schlüssel dazu? Ganz einfach: Achtsamkeit.

Wenn wir aus dem Haus gehen achten wir gar nicht mehr auf die Dinge, die uns umgeben. Wir meinen schon alles gesehen zu haben und verfangen uns in alltäglichen Sorgen.

Würden wir dagegen einfach mal wieder genau hinschauen und versuchen unvoreingenommen wahrzunehmen was uns täglich umgibt, würden wir immer und immer wieder aufs Neue etwas entdecken was uns zum Staunen bringt. Es muss nichts großes sein. Kleinigkeiten reichen schon aus, um etwas von diesem angenehmen Touristen-Effekt in unseren Alltag zu bringen und damit uns wie unseren Mitmenschen ein kleines Geschenk zu machen. Ist das nicht was? Viel Spaß!

Übrigens: Mehr zum Thema Achtsamkeit findest du in meinem vorigen Blogartikel!

 

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